Im Gespräch mit einem Virologen zur Corona-Pandemie

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Im Zuge der Corona-Pandemie, welche gerade über Europa hereinbricht, und auf der einen Seite Panik unter vielen Deutschen hervorruft, andererseits aber auch auf Gleichgültigkeit trifft, die Herrschenden zu einer massiven Einschränkung der Freiheitsrechts der Bevölkerung veranlasst, Schulen und Kindergärten für Wochen ihren Betrieb einstellen, sämtliche Grenzen in Europa geschlossen werden, die Wirtschaft damit in eine tiefe Krise stürzt, die Kapitalmärkte schon jetzt massive Einbrüche verzeichnen, viele Menschen in den wirtschaftlichen Ruin und in die Verarmung treiben könnte, die Globalisierung mit ihren zusammenbrechenden Lieferketten entzaubert, die Politik sich als unfähig erweißt, wird vieles, womöglich alles Bisherige, verändern.

Um die Corona-Pandemie besser einordnen zu können, führten wir das Gespräch mit dem Virologen und Chemiker Dr. Wolfram Baumeister, welcher 40 Jahre lang an verschiedenen Einrichtungen in der Virusforschung tätig war.

Der III. Weg: Herr Dr. Baumeister, können Sie uns kurz Hintergründe zum Corona-Virus geben. Einen ausführlicher Audio-Datei von Ihnen zur Entstehung und zum Umgang mit dem Virus erscheint ja noch in den nächsten Tagen auf unserer Netzseite. Daher bitte nur eine kurze Zusammenfassung.

Dr. Wolfram Baumeister: Coronaviren (RNA-Viren) kommen bei Tieren und Menschen vor. Sie führen im Menschen zu milden „grippalen Infekten“, also den Erkältungen, die nach ein paar Tagen Bettruhe vorbeigehen. In den letzten Jahren sind aber einige neue Coronaviren aufgetaucht, die dem Menschen gefährlich werden können. Die erste SARS-Epidemie vor einigen Jahren hatte ihren Ursprung auch in China, dann tauchte im Nahen Osten das MERS-Virus auf, und jetzt das Virus SARS-CoV-2.

Das Virus ist erstaunlich beständig gegen normale Umwelteinflüsse; es kann auf Oberflächen bis zu 9 Tagen aktiv und infektiös bleiben; Türklinken, Handlauf, Einkaufswagen, Druckknöpfe (etwa im Aufzug, an der Türklingel, PIN-Eingabe), ganz besonders Geld, Münzen als auch Scheine, können Virus tragen, wenn ein infizierter sie angefaßt hat.

Das Virus ist sehr leicht von Mensch zu Mensch übertragbar, hochansteckend, kann auch in kleinsten Tröpfchen und über erhebliche Distanz für Ansteckung sorgen, „durch die Luft“. Nicht nur beim Niesen oder Husten, sondern auch beim normalen Sprechen kann das Virus übertragen werden.

Ein Infizierter überträgt das Virus auch, wenn er noch keinerlei Symptome zeigt; die Inkubationszeit ist mit 5 bis zu 21 Tagen sehr lang;

Der III. Weg: Und wieso kann sich der Virus so rasend schnell ausbreiten?

Dr. Wolfram Baumeister: Ein einzelner Infizierter, der nichtsahnend in ein Land reist, in dem bisher noch keine Infektionen aufgetreten sind, wird seinen Geschäften nachgehen, Bahnfahren, ins Kino gehen, Konzerte und Fußballstadien besuchen. Der Reisende wird also viele infizieren, bevor bei ihm Symptome auftreten. Das können dann so milde Symptome sein, daß er gar nicht zum Arzt geht. Bevor der Infektionsherd nach weiteren Wochen erkannt wird, können schon Tausende infiziert sein und das Virus weitergeben. Die Verdopplungszeit der Infiziertenzahl liegt bei 2,4 Tagen. Die Zahl der Infizierten wächst deshalb exponentiell, lawinenartig, bis zu sehr hohen Zahlen.

Die Kurve flacht erst dann ab, wenn keine Menschen mehr vorhanden sind, die für die Infektion zur Verfügung stehen.

Die jeweils gültigen Zahlen der „INFIZIERTEN“ sind auf der Seite des Robert-Koch-Institutes zu finden (RKI.de). Diese Zahlen beziehen sich aber in Wirklichkeit auf die ERKRANKTEN, und zwar nur auf die gemeldeten und auch bestätigten Fälle. Aber nicht jeder Fall wird gemeldet, nicht jeder wird dann bestätigt. Die Zahl der tatsächlich Erkrankten kann 5-10x so hoch sein.

Die entscheidende Zahl der infizierten Virusträger liegt dagegen noch sehr viel höher. Man kann sie abschätzen, wenn man die gemeldete RKI-Zahl mit dem Faktor 1000 multipliziert!

Der III. Weg: Wie schätzen Sie die Maßnahmen bis hin zur Einschränkung des öffentlichen Lebens der Bundesregierung ein?

Dr. Wolfram Baumeister: Bereits im Januar war absehbar, daß das Virus auch die BRD erreichen wird. DAMALS wären Maßnahmen zur Vorsorge, Information und Organisation von Quarantäne notwendig gewesen. Die ersten Infektionsherde hätten durch strikte Quarantäne eliminiert werden können.
Die jetzt verfügten Einschränkungen kommen viel zu spät und wären nicht notwendig, wenn früher reagiert worden wäre. Es wurde nichts getan, deshalb sind wir jetzt in der ungebremst exponentiellen Phase der Epidemie.
Derzeit kann nur eine Totalquarantäne des ganzen Landes wie in Italien noch helfen, völlige Stilllegung des gesellschaftlichen und öffentlichen Lebens, bis die Epidemie zum Stillstand kommt wie in den asiatischen Staaten. China hat der Welt durch seine harte Reaktion Zeit erkauft – die hätte man nutzen können. Auch hätte man sich 2002 nach SARS informieren können, wie das ablief, worauf man sich einstellen kann. Taiwan hat das getan und hat binnen kurzem die Epidemie im Land zum Stillstand gebracht, übrigens auch Singapur und Südvietnam. Nun bietet China sogar an, Italien mit Tausenden Testkits, Schutzausrüstungen und Beatmungsgeräten auszuhelfen.

Der III. Weg: Hat Deutschland ausreichend Betten für Intensivpatienten? Wenn nein, müssen dann Tausende sterben, die sonst überlebt hätten?

Dr. Wolfram Baumeister: Viel zu spät, zu wenig, zu schlecht! Man hätte die Kapazitäten zu Jahresbeginn gewaltig ausweiten müssen, wie in Taiwan! Jetzt sind Intensivbetten ausverkauft. Da die Epidemie weiterhin exponentiell verläuft, werden zu einem Zeitpunkt Millionen erkrankt sein, von denen Zehntausende Intensivpflege, eventuell Beatmung brauchen. Das kann kein Gesundheitssystem der Welt bewältigen! Durch rechtzeitige Eingrenzung wäre die Zahl der Infizierten nicht derart steil angestiegen, der Verlauf wäre gestreckt und stark verzögert, Intensivabteilungen hätten eine kleinere Zahl von Erkrankten innerhalb eines Zeitraums von Monaten versorgen können. Wie die Dinge jetzt laufen, werden sehr viele vermeidbare Todesfälle zu beklagen sein. Ich rechne mit Hunderttausenden Toten in der BRD.

Da es nicht genug Intensivstationen und Beatmungsgeräte gibt, müssen Ärzte wie im Krieg entscheiden, welche Patienten eine Chance bekommen und behandelt werden. Die anderen können noch schnell ihr Testament machen und sich per Videotelefonat von ihren Angehörigen verabschieden. Triage. In dieser Woche haben uns schockierende Bilder, verzweifelte Hilferufe und dramatische Appelle von Ärzten aus Norditalien erreicht, wo all das bereits passiert ist.

Der III. Weg: Werden aus Ihrer Sicht noch weitere Maßnahmen wie Ausgangssperren und Isolation ganzer Ortschaften / Städte notwendig?

Dr. Wolfram Baumeister: Solche Maßnahmen wären abgestuft im Januar/Februar notwendig gewesen, dann wäre alles viel glimpflicher abgelaufen. Jetzt ist die Epidemie für die jetzt verhängten Maßnahmen bereits zu weit entwickelt, und deshalb wenig wirksam. Jetzt hilft nur noch Quarantäne für alle und komplette Absage an sozialen Kontakt, keinerlei Veranstaltungen mehr!. Diese Maßnahme wird kommen, aber wie immer viel zu spät. Jeder Tag, um den Social-Distancing-Maßnahmen hinausgezögert werden, wird 25 bis 40 % mehr Infizierte bringen (https://philippantonmende.com/2020/03/16/gedanken-zu-corona/).

Der III. Weg: Wie lange werden wohl diese Maßnahmen aufrechterhalten werden müssen? Das Virus ist ja nicht sofort wieder weg.

Dr. Wolfram Baumeister: Manche hoffen, daß die Epidemie in einigen Monaten „ganz von selbst“ abflauen wird, wie eine saisonale Grippe. Es kann aber leicht sein, daß die CoVID-2 Epidemie erst dann endet, wenn keiner mehr da ist, der sich gerne infizieren lassen möchte, der also die Schutzmaßnahmen außer Acht läßt. Dann kann sich leicht bis ins Jahr 2021 hinziehen.

Der III. Weg: Kann es nach Lockerungen der Maßnahmen und einer ersten Entspannung der Lage zu einem neuerlichen massiven Ausbruch des Virus kommen?

Dr. Wolfram Baumeister: Das kommt natürlich darauf an, ob jetzt die richtigen Entscheidungen getroffen werden und ob Lockerungen zum richtigen Zeitpunkt erfolgen. Ist ein relativer Endpunkt der Epidemie erreicht, so besteht die Gruppe der Nichtinfizierten ja zu einem großen Teil aus Menschen, die die Infektion bereits durchgemacht haben und die immun sein müßten. Ein Virus mutiert aber schnell und häufig. Eine Mutante könnte also eine zweite Epidemie auslösen

Der III. Weg: Wie schätzen Sie die wirtschaftlichen Folgen für die BRD ein? Kommt es zu einer Weltwirtschaftskrise im Zuge der Corona-Pandemie?

Dr. Wolfram Baumeister: Die Pandemie wird ganz massive Folgen für die Weltwirtschaft haben. Wenn die Arbeiter nicht in die Werkhallen können, wenn unersetzliche Fachleute ausfallen, werden ganze Wirtschaftszweige schwerstens betroffen. Die Finanzkrise 2008 verblaßt demgegenüber, was jetzt zu erwarten ist. Das Finanzsystem stand ohnehin schon am Rand des Absturzes. Vielleicht mündet die bevorstehende Wirtschaftskrise in einen Zusammenbruch des Welt-Finanzsystems und eine weltweite Währungsreform mit der Vernichtung sehr vieler kleiner Vermögen.

Der III. Weg: Haben die Politiker der BRD geschlossen versagt?

Dr. Wolfram Baumeister: Wie das Beispiel Taiwan zeigt, war die Epidemie nicht „alternativlos“ unabwendbar. Dort ist es durch kluge, rigorose und vorausschauende Maßnahmen gelungen, mit ein paar Dutzend Erkrankungen landesweit davonzukommen. Nichts davon war in der BRD-Politik zu sehen: das Virus wurde ignoriert, als könnte es uns dann nicht finden. Einfaches „Versagen“ ist für dieses Verhalten eine verharmlosende Entschuldigung. Entweder unsere Politiker sind verbrecherisch inkompetent; oder, sie folgen GG-widrig einer fremden, verderblichen Agenda, wie bei den Problemen Globalisierung, Klimahysterie und Einschleusungspolitik; oder, die hohen Herren sind garnicht an den lebensentscheidenden Sachfragen interessiert, sondern denken nur noch an die nächste Abstimmung im Parteigremium.

Der III. Weg: Vielen Dank.

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